Mittwoch, 22. Mai 2013

Deutsch mündliche Prüfung

Die fröhliche Punktejagd geht weiter... Gestern wollte ich "noch mal kurz" in Homo Faber reinlesen, weil ich eine Stelle noch nicht richtig einordnen konnte, was dann dazu führte, dass ich den kompletten Roman noch mal lesen musste, wodurch noch 100 zusätzliche Fragen aufgeworfen wurden. Heute morgen bin ich dann entsprechen fertig (nervlich und körperlich, nach ca. zwei Stunden Schlaf...) In Rahlstedt angekommen und wusste zu Homo Faber nur, dass der Typ so widersprüchlich in dem ist, was er sagt und tut, dass man das eigentlich gar nicht interpretieren kann.

Zu den Aufgaben: zu Nathan bekam ich die Standard-Aufgabe schlechthin (2. Akt, 5. Aufzug, wo Nathan zum Tempelherrn geht, um ihm zu danken, dass er Recha gerettet hat)
Zuerst sollte ich die Szene beschreiben und einordnen. Dann sollte ich sagen, welche Themen in der Szene eine Rolle spielen und wie sie im Laufe der Handlung fortgeführt werden. Zum Schluss ging es um den Fragmentenstreit (bzw. allgemein um die Hintergründe zur Entstehung)
Als Zwischenfragen kamen u.a. warum Lessing in Gedichtform geschrieben hat (das wusste ich nicht, die Antwort wäre gewesen, dass Gedichte nicht der Zensur unterliegen) Am Anfang, als ich nur über Recha und den Tempelherrn geredet habe (weil andere Personen wie Saladin z.B. für diese Textstelle nicht so wichtig sind) hat die Prüferin ein bisschen provokant gefragt "Sie meinen also, Nathan der Weise ist eine kitschige Liebesgeschichte?!", was ich ein bisschen unangemessen fand, weil was anderes ja noch gar nicht wichtig war für die Beantwortung der Frage... Dann ging es noch ziemlich lange um die politische Situation, in der das Stück spielt, wer gegen wen kämpft und warum. Da kannte ich mich jetzt nicht so gut aus, habe aber etwas zusammengereimt, was anscheinend richtig war. Wo ich länger drüber nachdenken musste, war die Frage, an welcher Stelle genau im Text man merkt, dass der Tempelherr seine Meinung ändert. Die Prüferin hat mit dann etwas auf die Sprünge geholfen. Überhaupt haben alle anwesenden Damen die ganze Zeit wohlwollend genickt.

Zu Homo Faber bekam ich (leider?) keine der zwei Standard-Aufgaben (S. 47 bzw. S. 152) sondern wieder eine Aufgabe, die sein seltsames Frauenbild behandelt (die Szene, wo er auf dem Schiff über Beziehungen ganz allgemein nachdenkt und zu seiner Rolle als Techniker, kurz bevor er Sabeth den Antrag macht) Ich sollte zuerst sein Männer- und Frauenbild anhand beschreiben. Als zweite Aufgabe gab es einen Text von einer Literaturwissenschaftlerin, die meinte, dass Faber Frauen, Indios, Kubaner, Schwarze, junge und alte Menschen alle in einen Topf wirft. Dazu sollte ich dann (wieder anhand des Textes) Stellung beziehen. Zum Schluss kamen dann wieder zwei etwas schwierigere Nachfragen: Einmal, warum er Hanna am Ende heiraten will (meine Antwort, um die Vergangenheit, wie ihre Beziehung damals zuende gegangen ist, wieder gutzumachen, stellte sie nicht ganz zufrieden. Daraus haben sie dann gemacht, dass sich Faber in den letzten 20 Jahren gar nicht verändert hat... Eigentlich kann ich diese Entwicklung aber auch nicht so richtig nachvollziehen, von dem Bild, was ich von Faber hatte, aber naja, das sollte man in der Prüfung wohl nicht so deutlich sagen...) Dann kam noch die Frage, warum Max Frisch den Roman (/Bericht) geschrieben hat. Dazu ist mir absolut nichts eingefallen, zumindest gab es nicht so eine nachvollziehbare Vorgeschichte wie bei Nathan, an die ich mich erinnern könnte.

Insgesamt war ich froh, dass ich nicht allzusehr ins Stottern geraten bin und ich während der Prüfung immer wieder positive Rückmeldung bekommen habe. Letztlich waren es dann 9 Punkte, nicht überragend, aber okay. Ich muss mich wohl damit abfinden, dass ich im Mündlichen einfach keine Einserkandidatin bin. Da kann man dann soviel lernen wie man will.

Wenn ich auf der sicheren Seite sein will, damit mir am Freitag wirklich nur noch einpunkt reicht, muss ich morgen also 6 Punkte in Reli machen, was durchaus im Bereich des Möglichen liegt (die Kunst ist dann nur, die naheliegenden Lösung - eigentlich läuft ja immer alles auf Nächstenliebe hinaus - so auszudehnen, dass man damit 30 Minuten füllen kann...)

Kommentare:

  1. finden die Mündlichen im Mai immer auch im ils-Gebäude statt? Ich bin, wenn alles gut geht, in einem Jahr dran^^

    AntwortenLöschen
  2. Bis letztes Jahr fanden die Prüfungen zum Sommer hin immer in einer Privatschule am anderen Ende von Hamburg statt, aber inzwischen haben sich wohl schon zu viele Prüflinge über die Bedingungen dort beschwert (iwas ich verstehen kann...) In diesem Jahr werden auch die Privatschüler "bei uns" geprüft. Ob das jetzt immer so ist, kann ich nicht sagen, aber es spricht vieles dafür. Nach all den Jahren fühlt man sich hier auch schon ein bisschen zu Hause ^^

    AntwortenLöschen